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Auslandsschuljahr – Ich bin dann mal weg… Planungs- und Vorbereitungstipps

Auslandsschuljahr - wohin soll es gehen?Vor drei Jahren sagte meine Tochter zu mir, sie wolle in der 10. Klasse ein Auslandsschuljahr einschieben. Amerika müsse es schon sein. Ich dachte nur: „Ja ja, mein Kind. Warte erst einmal ab, ob du dir das dann immer noch zutraust.“ Die drei Jahre sind vergangen und meine Tochter ist vor ein paar Wochen geflogen, 10 Monate Highschool in Kanada. Sie hat es sich immer noch zugetraut…

Eine Sprache im Ausland zu lernen, in die Kultur eines fremden Landes eintauchen – eine tolle Sache. Mein Kind für ein Schuljahr in die Ferne zu schicken – nun ja, das war eine gruselige Vorstellung. Trotzdem machten wir uns an die Recherche: Welche Organisation, welches Land, welcher Zeitpunkt, welche Aufenthaltsdauer ist für ein Auslandsschuljahr sinnvoll?

Auslandsschuljahr – wie starte ich?

Als wir anfingen, uns mit dem Thema zu beschäftigen, merkten wir schnell zwei Dinge:

  1. Es gibt Organisationen wie Sand am Meer.
  2. Im eigenen Umfeld gibt es mehr Kinder als geahnt, die ein Schuljahr im Ausland verbringen.

Erste Anlaufstelle war unsere Schule. Nicht nur, dass die Schule Informationsmaterial in Hülle und Fülle zur Verfügung stellt. Auch eine Lehrerin berät und ist für die Koordination der Auslandsaufenthalte zuständig. Außerdem fand zum Beginn der 9. Klasse eine Informationsveranstaltung für alle interessierten Schüler statt.

Die Frage nach dem Ziel stellte sich bei uns nicht wirklich: Es sollte ein englischsprachiges Land sein, gerne außerhalb Europas. Am Ende ist es aus verschiedenen Gründen Kanada geworden. Die Auswahl des Ziels und der Organisation gingen bei uns Hand in Hand. Kinder aus dem Bekanntenkreis hatten bereits einen Auslandsaufenthalt absolviert – nun konnten wir von ihren Erfahrungen profitieren. Unser Motto: Die positive Erfahrung eines Schülers, den wir kennen, ist Gold wert! Und so haben wir uns schließlich auf zwei Organisationen konzentriert.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Grundsätzlich wird empfohlen, ein Auslandsschuljahr nach dem Abschluss der Mittelstufe und vor dem Eintritt in die Oberstufe einzuschieben. Meine Tochter ist G8-Schülerin und wir haben uns für dieses klassische Modell entschieden, nämlich nach der 9. Klasse ins Ausland zu gehen. Für sie war außerdem klar, dass es ein ganzes Schuljahr sein soll. Obwohl es auch andere, kürzere Möglichkeiten gibt. Aber wenn schon, denn schon. In meinem Kopf schwirrten natürlich bereits damals die Gedanken an den Wiedereinstieg in die Schule nach dem Auslandsjahr. Meine Tochter aber dachte nur an das Abenteuer in Kanada, das sie erwarten würde.

Vorbereitungen für das Auslandsschuljahr – wie geht es weiter?

Ziel, Dauer und Zeitpunkt waren für uns geklärt – und wie geht es jetzt weiter? Wir haben die Online-Formulare unserer beiden favorisierten Organisationen mit persönlichen Daten gefüllt. Nach ein paar Tagen bekamen wir die Einladungen zu den persönlichen Interviews – der nächste große Schritt in diesem langen Prozess. Diese Gespräche dienen dazu, zu prüfen, ob die Kinder wirklich an diesem Programm teilnehmen möchten oder ob es der Wunsch der Eltern ist, das Kind ins Ausland zu schicken. Und, ob das Kind reif genug für diese Reise ist und sich vorstellen kann, in einer fremden Familie an einem fremden Ort in einer fremden Kultur zu leben. Aber ich frage mich: Wurde jemals ein Kind abgelehnt? Schließlich kostet dieses Vergnügen ein kleines Vermögen. Diese Frage sollte man sich im Zweifel also selbst vorab beantworten und von diesem Gespräch nicht zu viel erwarten.

Das erste Interview fand in der privaten Wohnung einer Studentin statt, die als ehemalige Teilnehmerin qualifiziert war, die Englischkenntnisse meiner Tochter und ihre Reife zu beurteilen. Das Gespräch mit der zweiten Organisation fand dann in einem Büro in unserer Nähe statt. Hier war der Ansprechpartner ein älterer, ehemaliger Lehrer, der meiner Tochter auf den Zahn fühlte, aber auch uns Eltern Rede und Antwort stand.

Auslandsschuljahr - Tipps vom SheartsWenige Tage später hatten wir die Angebote der beiden Organisationen in der Post. Bis dahin ist alles unverbindlich und kostenlos – aber jetzt wurde es ernst. Nun galt es abzuwägen: Preis und Leistung, Vertrauen in die Organisation, will ich wirklich so ein Angebot unterschreiben und mein Kind in die weite Welt schicken? Und möchte mein Kind wirklich diesen Schritt wagen? Wir haben uns schließlich für eine Organisation und ein Programm entschieden, bei dem wir die Schule in einer kanadischen Provinz auswählen konnten.

Vertrag unterschrieben und der Stress beginnt

Mit der Vertragsunterzeichnung Anfang März ging bei uns der Stress los: Wir haben ein dickes Paket mit Unterlagen erhalten, die wir ausfüllen mussten. Das sogenannte Application Package. Es waren Unterlagen, die die zukünftige Schule benötigte, um eine geeignete Familie zu finden, notariell zu beglaubigende Dokumente für einen gesetzlichen Vertreter im Zielland, ein medizinischer Fragebogen und die Befreiung vom Schulunterricht im kommenden Schuljahr in Deutschland. Meine Tochter musste einen Brief für die zukünftige Gastfamilie schreiben, wir Eltern mussten einen Brief für die zukünftige Gastfamilie schreiben. Wir hatten gut zu tun und mussten uns anstrengen, die geforderten Dokumente und Schriftstücke innerhalb der gewünschten Zeit zurückzusenden. Meine Tochter hat das alles mit wahnsinniger Vorfreude und Spaß gemacht, ich hatte die ganze Zeit ein mulmiges Gefühl und mich gefragt, was ich da eigentlich tue…

Und dann ging das große Warten los. Zwischendurch haben wir an einem Vorbereitungsseminar teilgenommen. Schön war es, mit vielen Returnees zu sprechen und zu hören, was sie für eine tolle Zeit im Ausland verbracht haben, was sie gelernt haben, was sie weitergebracht hat. Aber auch von Problemen und Nöten zu hören, die sie alleine meistern mussten und gemeistert haben.

In regelmäßigen Abständen kamen Informationen und Nachfragen seitens der Organisation. Weitere Unterlagen wurden hin- und hergeschickt. Nicht nur meine Tochter wartete darauf, dass sie endlich erfährt, in welche Gastfamilie sie kommen wird. Ende Juni war es dann soweit und wir haben erfahren, in welcher Familie sie 10 Monate verbringen würde. Neben der Adresse haben wir ein Foto, Geburtsdaten, Berufe, Hobbys usw. per E-Mail bekommen. Aufregend und für mich komisch, ihre neue „Family“ zu sehen. Aber alles war maßgeschneidert: eine kanadische Gastschwester in ihrem Alter, ein älterer kanadischer Gastbruder und dazu noch eine weitere Austauschschülerin aus Italien!

Mit der Auswahl der Gastfamilie konnten wir nun das Visum beantragen und die Organisation konnte sich um das Flugticket kümmern. Bald darauf stand fest, dass es am 1.9. losgeht und am 30.6. im nächsten Jahr der Rückflug ansteht.

Die letzten Wochen vor dem Abflug

Die Zeit bis zum Abflug hat sich unendlich wie ein Kaugummi gezogen. Aber es gab noch viel zu erledigen: Friseurbesuch, Zahnarztbesuch, Impfung auffrischen, Gastgeschenke besorgen, notwendige Dinge kaufen, Bankangelegenheiten regeln. Für mich war es, als wenn ich einen Familienurlaub vorbereite, der einfach mal etwas länger dauert. Egal, wen man traf, immer gab es nur diese Fragen: Wann geht es los? Und wie geht es euch? Es war wahnsinnig anstrengend, ständig über das gleiche Thema zu sprechen. Lange konnte ich die Sorgen, ob es meinem Kind in der Fremde gut gehen würde und was zu tun ist, wenn nicht, weit vor mir herschieben. Schwierig wurde es dann, als alles zum letzten Mal stattfand, letzter Schultag, letzter Geigenunterricht, letztes Rudertraining. Und dann die Verabschiedung von der ganzen Familie ein paar Tage vor dem Abflug anstand. Aber wir waren alle ganz tapfer – allen voran meine Tochter, die bis zum Abflug keine einzige Träne vergossen hat. Bis zur letzten Minute war sie fröhlich, mutig, neugierig und gespannt, was sie erwarten würde.

Wie läuft es?

Die ersten Wochen in Kanada sind vorbei und meine Tochter ist sehr gut angekommen. Ihre Family, wie wir sie nennen, hat sie sehr freundlich und liebevoll aufgenommen und sie fühlt sich pudelwohl. Auch in der Schule läuft alles gut. Probleme mit der Sprache hatte sie fast gar nicht. Und man staunt, was in der Ferne plötzlich möglich ist: Sie steht dreimal in der Woche um 5 Uhr auf, damit sie vor dem Unterricht mit ihrem Schulteam rudern kann.

In unserer Infothek finden Sie einen Artikel mit weiteren detaillierten Planungs- und Vorbereitungstipps für einen Auslandsaufenthalt.

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