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Wie sinnvoll ist ein Handyverbot an Schulen?

Frankreich verbietet die Smartphones an Schulen. Seit September 2018 gilt ein gesetzliches Komplettverbot aller internetfähigen Geräte – und seitdem ist auch bei uns das Thema in aller Munde. Zugegebenermaßen: Zu meiner Schulzeit war diese Thematik in keiner Weise relevant. Mein erstes Handy bekam ich im Alter von 13 Jahren – also in der siebten Klasse. Genutzt habe ich es eigentlich kaum. Höchstens mal, um meiner Mutter Bescheid zu geben, wenn ich später kam oder früher Schulschluss hatte. Irgendwann kam dann die grandiose Zeit der SMS, aber da man für jede Textnachricht um die 10 Cent zahlen musste, hielt sich auch das in Grenzen. Mein erstes richtiges Smartphone gab es erst zum Abitur.

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Doch heute sieht das ganz anders aus: Laut der JIM-Studie 2018 besitzen ganze 97 Prozent aller Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren ein eigenes Smartphone. Eine beachtliche Zahl. Natürlich sieht dabei die Nutzung auch ganz anders aus, als bei den damaligen Handys. Während ich früher eine regelrechte Panikattacke bekam, wenn ich versehentlich auf den ominösen Internet-Knopf kam und 1,99 Euro pro Minute von meinem Guthaben verlor, ist es heute eine Selbstverständlichkeit via Smartphone im Internet zu surfen. Informationen erhalten, sich in sozialen Netzwerken austauschen, Videos schauen oder ein Spiel daddeln – für die Jugendlichen von heute ist es gang und gäbe. Smartphones gehören zu ihrer Lebenswirklichkeit. Da ist es nur logisch, dass sie ihre Smartphones mit zur Schule nehmen, in der sie nun mal einen Großteil ihres Tages verbringen.

Doch wie sinnvoll ist die Mitnahme des Smartphones? Werden die Jugendlichen dadurch nicht eher abgelenkt? Oder kann das Smartphone für den Unterricht einen positiven Nutzen haben? Die wichtigsten Pros und Contras der Smartphone-Gegner und -Befürworter auf einen Blick:

Was für ein Handyverbot an Schulen spricht

Smartphones lenken ab. Die Mitnahme von Smartphones in die Schule verführt die Schülerinnen und Schüler dazu, das Gerät für private Zwecke zu nutzen. WhatsApp, Instagram und Co. stehen auf dem Stundenplan – die Lehrkraft wird weniger beachtet. Sowohl die Konzentration als auch die Aufmerksamkeit leiden darunter.

Smartphones helfen beim Spicken. Durch die schnelle Informationsbeschaffung ist keine eigene Denkleistung mehr erforderlich. Das Smartphone gibt den Jugendlichen alle relevanten Daten. Lehrkräfte haben nur wenige Möglichkeiten der Kontrolle.

Die zwischenmenschliche Kommunikation leidet. Anstatt einer direkten Kommunikation, wählen die Schülerinnen und Schüler lieber den virtuellen Weg. Auf dem Schulhof wird gedaddelt und sich in den sozialen Netzwerken ausgetauscht.

Mobbing wird unterstützt. Das Smartphone gilt bei vielen als Status-Symbol. Jugendliche, die kein modernes oder aktuelles Smartphone haben oder vielleicht gar keines besitzen werden benachteiligt. Auch das sogenannte Cyber-Mobbing kann durch die Mitnahme des Smartphones unterstützt werden.

Soziale Medien zeigen eine Scheinwelt. Schnell ein Like bei Facebook verteilen oder das Beste aus 50 gemachten Bildern bei Instagram hochladen – alle zeigen sich auf den sozialen Netzwerken von ihrer besten Seite. Doch nicht alles, was in den sozialen Medien geteilt wird, entspricht auch der Realität. Durch ein Handyverbot an Schulen werden Jugendliche auch mal aus ihrer Social-Media-Scheinwelt herausgeholt.

Die Abhängigkeit vom Smartphone wird verstärkt. Das Smartphone ist ohnehin schon ein pausenloser Begleiter. Durch das Smartphone-Verbot in Schulen lernen Jugendliche, dass man nicht ständig erreichbar sein muss und es ok ist, auch mal „offline“ zu sein.

Das Smartphone dient als einzige Quelle. Auf diese Weise wird der Umgang mit anderen Quellen schlichtweg verlernt.

Was gegen ein Handyverbot an Schulen spricht

Smartphones als Mehrwert für den Unterricht. Viele Schulen sind mit nur wenig digitalem Equipment ausgestattet. Smartphones können schnell und einfach im Unterricht zu Recherchearbeiten eingesetzt werden. Auf diese Weise können auch aktuelle Themen im Unterricht bearbeitet werden.

Medienkompetenz und Medienerziehung werden geschult. Der richtige Umgang mit Smartphones sollte ein Teil des Unterrichts sein. Die Jugendlichen müssen lernen, sensibel mit ihren eigenen Daten umzugehen und Informationsquellen zu hinterfragen. Zudem sollten andere Nutzungsmöglichkeiten aufgezeigt werden – Smartphones dienen nicht nur als Spaßobjekt.

Die Denkleistung der Jugendlichen wird gefördert. Mittels Diskussionen über den kritischen Umgang mit Smartphones wird die eigene Denkleistung der Schüler und Schülerinnen geschult. Sie lernen aktiv, Dinge zu hinterfragen.

Smartphones helfen dabei, Jugendliche zu motivieren. Die Nutzung des Smartphones gehört bei den Schülerinnen und Schülern schlichtweg zu ihrer Lebenswirklichkeit. Wird das Smartphone aktiv an Schulen eingebunden, so kann es hinsichtlich der Motivation auch einen positiven Effekt auf die Jugendlichen haben.

Ein Verbot macht das Smartphone noch reizvoller. Schülerinnen und Schüler nehmen ihre Handys trotz allem mit und nutzen sie auf dem Schulhof oder sogar im Unterricht heimlich.

Bessere Kontrollmöglichkeiten der Lehrer und Lehrerinnen. Wird das Smartphone aktiv in den Unterricht miteinbezogen, so liegt es gut sichtbar auf den Schreibtischen der Schüler und Schülerinnen. Auf diese Weise können Lehrkräfte die Handynutzung sogar besser kontrollieren.

Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten. Sie ist Bestandteil unseres Lebens und schreitet zukünftig nur noch mehr voran. Dass das Smartphone also auch in die Schule integriert wird, ist folglich nur zeitgemäß und bereitet Schüler und Schülerinnen auf die digitalisierte Welt vor.

Letztlich zeigen die Argumente, die für und gegen ein Smartphone-Verbot sprechen auf, dass dies zweifelsohne ein sensibles und schwieriges Thema ist, das auch zukünftig zu hitzigen Diskussionen führen wird. Bisher (Februar 2019) gibt es in Deutschland ausschließlich in Bayern ein Handyverbot an Schulen, welches im Gesetz verankert ist. Ob dem auch andere Bundesländer folgen – oder ob Deutschland sich Frankreich gar zum Vorbild nimmt, bleibt abzuwarten. Ganz so schnell lässt sich das Smartphone also vorerst nicht aus unseren Schulen verbannen.

Ein Kommentar zu “Wie sinnvoll ist ein Handyverbot an Schulen?”

  1. Von AdPoint GmbH am Mai 7, 2019

    Hallo,
    das ist ein interessanter Beitrag. Smartphones in Schulen haben definitiv Vor- und Nachteile.

    Freundliche Grüße

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