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Shearts Blog

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Mathe ist doof, aber nützlich

Mathe ist doof – oder wie finden Sie diese Rechenaufgabe: Mathe ist doof - aber nützlichEin medizinischer Test erkennt zu 95 % einen Kranken tatsächlich als krank, zu 99 % erkennt der Test einen Gesunden als gesund. Sie gehen nun zum Arzt, um sich testen zu lassen. Der Arzt sagt: „Sie sind gesund.“ Wie sicher können Sie nun sein?

Einfach zu lösen? 99 % Sicherheit? Aber was ist mit den 5 % der Kranken, die der Test nicht erkennt? Also doch nur 94 % Sicherheit?

Solche Aufgaben, die ein „Zweimal-um-die-Ecke-denken“ erfordern, sind in unserem Alltag gar nicht so selten. Und diese Aufgaben lösen zu können, hat oft weitreichende Konsequenzen:

Lorenz Götte, Ökonom an der Universität Lausanne, interviewte 300 Personen, die kurz vor der Immobilienkrise Häuser kauften. Viele Käufer übernahmen sich in dieser Krise dabei, indem sie Objekte erwarben, die sie sich eigentlich gemessen an ihrem Eigenkapital und Einkommen nur schlecht leisten konnten. Nach Auswertung der Interviews zeigte sich nun: Je weniger Rechenfragen die Interviewten beantworten konnten, desto höher war die Wahrscheinlichkeit, dass es zur Zwangsvollstreckung kam. Die Gruppe, die am schlechtesten abschnitt, hatte ein gut 20-prozentiges Risiko, ihr Haus zu verlieren. Bei der Gruppe, die am besten rechnen konnte, lag das Risiko lediglich bei sieben Prozent. Und das auch dann, wenn man Ausbildungsstand, Ausgaben, Arbeitslosigkeit usw. mit in Betracht zog (Quelle: ). Mathe ist doof? Vielleicht, aber in vielen Situtationen ist es sehr nützlich, gut rechnen zu können.

Es kann also nicht hilfreich sein, schlechte Rechennoten des Kindes als Mutter oder Vater mit dem Kommentar, man sei selber ein schlechter Matheschüler gewesen, zu tolerieren und dem eigenen Kind ein Aussitzen nahezulegen. Also ist Mathematik dann eher wie eine schlecht schmeckende Medizin, wie Lebertran, anzusehen, die man regelmäßig zu nehmen hat, damit man groß und stark wird?

Eigentlich nein. Denn Lerninhalte werden nicht durch passives „Schlucken“ zu eigenen Kompetenzen; Schüler müssen sich mit dem Lerngegenstand beschäftigen, altes Wissen aktivieren, um neues Wissen anzudocken. Sie müssen erkennen, Zusammenhänge entdecken und sie müssen emotional beteiligt sein, um eine Verarbeitungstiefe zu erhalten, die den späteren Abruf erleichtert, beispielsweise wenn man dem Bankberater gegenüber sitzt. Mit Spaß und Aha-Effekten also.

„Toll! Mein Kind hat aber kein Spaß an Mathe, findet stundenlanges Brüten über dritte Quadratwurzeln nur bedingt lustig und ist von der Meinung Mathe ist doof einfach nicht abzubringen“, werden mir Eltern jetzt aber entgegenhalten. Und Lehrer werden sagen: „Ich kann nicht jede Mathestunde zu einer Rave & House-Party machen.“

In der Tat kann man Interesse und Lust auf Mathematik nicht verordnen und Lehrern keinen permanenten Budenzauber auferlegen (zumal auch unklar wäre, wie der Budenzauber zu sein hätte – sprich: Was macht Unterricht zu gutem Unterricht? Siehe auch: http://www.cornelsen.de/home/katalog/titel/9783589232925). Bundesbildungsministerin Prof. Wanka bringt es in einem BILD-Zeitungs-Interview auf dem Punkt: Wir brauchen Mathe-Lehrer, die zuerst Lehrer sind und dann erst Mathematiker.“ ). Das bedeutet, um die Neugier von Kindern an Mathe zu wecken, ist die Lehrerkompetenz nach Aufgreifen, Verknüpfen und Vermitteln des Mathestoffs, der auf der Straße liegt“ eher gefragt als die Fähigkeit auf Seite 3 der komplexen Ableitungsformel die fünfte Nachkommastelle im Kopf zu berechnen. Und als Vater oder Mutter? Nein, auch Sie müssen nicht meisterlich rechnen, um Ihrem Kind ein leuchtendes Beispiel zu sein. Aber Hin und wieder auch Anstrengung in Mathe zu zeigen, um im Alltag nicht alles glauben und mutmaßen zu müssen, kann gut für den Willen des Kindes sein, nicht gleich aufzugeben, wenn die Zahlen wieder mal schwirren“.

2 Kommentare zu “Mathe ist doof, aber nützlich”

  1. Von Daniela Blass am Jul 9, 2013

    Ich bin zwar kein Mathematiker, aber gibt es „dritte Quadratwurzeln“? Wenn die dritte Wurzel einen eigenen Namen hat, dann müsste sie vielleicht „Kubikwurzel“ heißen. Vielleicht klärt mich mal jemand auf, der sich damit auskennt 😉

    • Von Andreas Schulz am Jul 9, 2013

      Gute Frage. Sie zeigt aber auch, dass unser Alltag eben eher das Mathematisieren einfacher Operationen nahelegt als komplexer. Wie auch immer: Die dritte Quadratwurzel heißt in der Tat Kubikwurzel. Danke für den Hinweis.

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