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Nach Bayern will auch Nordrhein-Westfalen zurück zu G9

Abiturprüfung - Schülerin schreibt PrüfungG8 oder G9? Wer aktuell fürs Abitur büffelt, den beschäftigt die Frage vermutlich gerade weniger. Doch es gibt wohl keine Schulreform, die Eltern in Deutschland in den vergangenen 15 Jahren mehr bewegt hat als die Frage, wie viele Schuljahre ihre Kinder bis zum Abitur auf dem Gymnasium verbringen.

In der alten Bundesrepublik waren es – lange Zeit unhinterfragt – 13 Schuljahre auf dem Weg zur Hochschulreife. Doch nach der deutschen Wiedervereinigung trafen auch zwei Schulsysteme aufeinander, und der Wunsch nach Vereinheitlichung, verbunden mit ökonomischen Überlegungen, führte zur Einführung von G8. In fast allen Bundesländern wurde seit 2003 die Gymnasialzeit auf acht Jahre verkürzt – nur in Rheinland-Pfalz blieben 13 Jahre der Regelfall.

Trend zurück zu G9

Mittlerweile hat nicht nur Niedersachsen, sondern auch Bayern die Rückkehr zum Abitur nach Klasse 13 beschlossen. Die Länder Hessen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg stellen es den Schulen frei oder haben Modellversuche zur Rücknahme von G8 initiiert. Mit einem Gesetzentwurf, der noch vor den Sommerferien verabschiedet werden soll, schließt sich nun auch Nordrhein-Westfalen an: In NRW, wo 2005 das G8-Modell eingeführt worden war, soll ab 2019/20 wieder G9 zum Regelfall werden. Eine Entscheidung mit Folgen: Zeitungsberichten zufolge rechnet die Landesregierung mit einem Bedarf von etwa 2.200 zusätzlichen Lehrerstellen.

Überforderung durch G8?

Doch überfordert das oft als „Turbo-Abi“ bezeichnete G8-Konzept die Schülerinnen und Schüler tatsächlich? Senkt es das Leistungsniveau und damit die Abitur-Noten? Oder bringt es sie früher an die Universitäten und verbessert so ihre Zukunftschancen? Wissenschaftliche Studien legen nahe, dass weder das eine noch das andere zutrifft. So lassen sich in einer Studie der Uni Duisburg-Essen beim G8-Modell weder schlechtere Noten noch eine schlechtere Vorbereitung auf ein Studium nachweisen. Nach einer Untersuchung der Uni Tübingen zeigen G8- oder G9-Schülerinnen auch kein unterschiedliches Freizeitverhalten. Aber auch die oft angeführten Vorteile von G8 lassen sich in den wissenschaftlichen Studien nicht nachweisen. Im Durchschnitt starten auch die G8-Abiturienten ihr Studium nicht früher als G9-Absolventen.

Mehr Wahlmöglichkeiten

Immerhin: Die Rücknahme der Reform wird auch in NRW zu mehr Wahlmöglichkeiten führen – denn unter bestimmten Voraussetzungen können die Schulen weiterhin das Abitur nach Klasse 12 anbieten. Und da die Bedürfnisse von Kindern verschieden sind, kann das bei aller Unübersichtlichkeit positive Auswirkungen haben. Und eines sollte bei der Diskussion über die Dauer der Schulzeit nicht vergessen werden: Oft ist die Qualität des Unterrichtes entscheidender als die Anzahl der Schuljahre. Der Weg zum Abitur ist wohl für die meisten mit Anstrengung verbunden und für manchen Schüler steinig. Eine gezielte individuelle Förderung, zum Beispiel in den Abiturprüfungsvorbereitungskursen in Köln, Düsseldorf oder weiteren Städten NRWs kann in diesen Fällen helfen – egal, ob die Prüfung nach acht oder neun Jahren abgelegt werden soll.

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